Maltherapie vs. klassische Gesprächstherapie: Was passt zu dir?
· Ursula Strobl

Du überlegst, dir therapeutische Unterstützung zu holen. Aber welche Form passt zu dir? Klassische Gesprächstherapie, bei der du hauptsächlich redest? Oder Maltherapie, bei der du gestaltest? Oder vielleicht beides?
Diese Frage höre ich oft. Und die Antwort ist, wie so oft bei wirklich guten Fragen: Es kommt darauf an.
Was Gesprächstherapie leistet
Gesprächstherapie (oder psychologische Beratung) arbeitet primär mit Sprache. Du erzählst, reflektierst, analysierst, ordnest ein. Die Therapeutin hört zu, stellt Fragen, bietet neue Perspektiven an.
Stärken der Gesprächstherapie
- Direkte Bearbeitung konkreter Themen und Situationen
- Kognitive Umsortierung: Glaubenssätze erkennen und hinterfragen
- Klare Struktur und nachvollziehbarer Prozess
- Gut geeignet für Menschen, die sich sprachlich ausdrücken können und wollen
- Breites Angebot und gute Verfügbarkeit
Gesprächstherapie ist wertvoll. Sie hat vielen Menschen geholfen und tut es weiterhin. Ich empfehle sie regelmäßig, wenn sie zum Menschen und zum Thema passt.
Was Maltherapie leistet
Mal- und Gestaltungstherapie arbeitet mit kreativen Medien: Farben, Pinsel, Ton, Kreide, Collagen. Das Bild oder die Gestaltung wird zum Spiegel deiner inneren Welt. Im anschließenden Werkgespräch wird das Entstandene gemeinsam erforscht.
Stärken der Maltherapie
- Zugang zu vorsprachlichen Schichten: Gefühle, die sich nicht benennen lassen
- Umgehung des rationalen Verstandes und des inneren Kritikers
- Körperliche Beteiligung: Hände arbeiten, Sinne werden aktiviert
- Symbole und Bilder als Brücke zum Unbewussten
- Besonders wirksam bei Blockaden, Traumata und Erschöpfung
- Keine sprachliche Eloquenz nötig
Der entscheidende Unterschied
In der Gesprächstherapie bearbeitest du Themen, die du benennen kannst. In der Maltherapie können sich Themen zeigen, die du noch gar nicht benennen konntest.
Das ist kein Qualitätsurteil. Es ist ein Zugangsunterschied. Manche Dinge brauchen Worte. Andere brauchen zunächst einen anderen Kanal, bevor Worte möglich werden.
Ein Beispiel aus meiner Praxis
Eine Klientin kam zu mir, nachdem sie zwei Jahre Gesprächstherapie hinter sich hatte. Sie sagte: "Ich verstehe alles. Ich kenne meine Muster. Aber ich spüre nichts. Es ist, als würde ich über eine andere Person reden."
In der Maltherapie begann sie zu malen. Ohne Plan, ohne Vorgabe. Und plötzlich kamen die Gefühle, die in der Gesprächstherapie nie aufgetaucht waren. Nicht weil die Gesprächstherapie schlecht war, sondern weil der Zugang ein anderer sein musste.
Wann Gesprächstherapie besser passt
- Du hast ein konkretes, benennbares Problem
- Du möchtest primär mit Sprache arbeiten
- Du suchst kognitive Klarheit und neue Denkansätze
- Du fühlst dich wohl im verbalen Austausch
- Du brauchst kurzfristige, lösungsorientierte Begleitung
Wann Maltherapie besser passt
- Du spürst, dass "Reden allein nicht reicht"
- Du hast Mühe, deine Gefühle in Worte zu fassen
- Du willst tiefer gehen, über die rationale Ebene hinaus
- Du bist erschöpft und das Reden kostet dich noch mehr Energie
- Du möchtest kreative, körperliche Zugänge ausprobieren
- Du interessierst dich für symbolische Arbeit und Selbsterfahrung
Die Kombination: Beides ist möglich
In meiner Praxis verbinde ich Maltherapie mit Lebensberatung. Das bedeutet: Wir reden auch. Aber wir reden nicht nur. Wir nutzen den kreativen Prozess als zusätzlichen Zugang.
Manche Sitzungen sind gesprächsintensiv. Andere sind fast still, nur der Pinsel auf dem Papier. Das ergibt sich aus dem, was du mitbringst und was du brauchst. Es gibt keine starre Vorgabe.
Häufige Bedenken
"Ich kann nicht malen."
Das ist der Satz, den ich am häufigsten höre. Und meine Antwort ist immer dieselbe: In der Maltherapie geht es nicht ums Können. Es geht ums Tun. Du brauchst kein Talent. Du brauchst nur die Bereitschaft, dich einzulassen.
"Ist Maltherapie auch für Männer?"
Ja. Auch wenn in meiner Praxis überwiegend Frauen kommen, ist Maltherapie für alle Menschen geeignet.
"Wie finde ich heraus, was zu mir passt?"
Probier es aus. Ein Erstgespräch ist unverbindlich und kostenlos. Wir können gemeinsam schauen, welcher Zugang für dich der richtige ist.
Zusammenfassung
Es gibt keine "bessere" Therapieform. Es gibt die Form, die zu dir passt, in deiner aktuellen Situation, mit deinem aktuellen Thema. Gesprächstherapie und Maltherapie sind keine Gegensätze. Sie sind unterschiedliche Türen zum selben Raum: zu dir selbst.
Mehr über meinen Ansatz: Maltherapie und Angebote.
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15 Minuten · Persönlich · Ohne Verpflichtung