Das innere Kind heilen. Was das wirklich bedeutet
· Ursula Strobl
Das „innere Kind" ist kein esoterisches Konzept. Es ist ein psychologisches Modell, das beschreibt, wie kindliche Erfahrungen und Prägungen unser erwachsenes Leben beeinflussen, oft ohne dass wir es merken.
Jeder Mensch trägt Erinnerungen, Gefühle und Muster aus der Kindheit in sich. Manche davon sind wunderschön: die Neugier, die Spielfreude, die Fähigkeit, im Moment zu sein. Andere sind schmerzhaft: Erfahrungen von Ablehnung, Überforderung, Einsamkeit oder Bewertung.
Warum das innere Kind gehört werden will
Wenn wir als Kinder lernen, dass bestimmte Gefühle nicht erwünscht sind, Wut, Trauer, Angst, Wildheit, dann verstecken wir diese Teile von uns. Wir passen uns an. Wir funktionieren. Wir werden „brav".
Aber diese versteckten Teile verschwinden nicht. Sie leben weiter, im Schatten. Und sie melden sich: durch wiederkehrende Muster in Beziehungen, durch Selbstzweifel, durch das Gefühl, nie genug zu sein. Durch plötzliche Wutausbrüche oder unerklärliche Traurigkeit.
C.G. Jung nannte diese verborgenen Anteile den „Schatten". Sie sind nicht böse oder schlecht, sie wurden nur nie integriert.
Wie Maltherapie das innere Kind erreicht
Das Besondere an der Maltherapie ist: Sie umgeht den rationalen Verstand. Wenn du malst, gestaltest oder mit Ton arbeitest, kommst du oft leichter mit jenen frühen Erinnerungen und Gefühlen in Berührung, die Worte allein selten erreichen.
Ich erlebe es regelmäßig in meiner Praxis: Frauen, die seit Jahren „an sich arbeiten", die Bücher lesen und Therapie machen, und dann beim Malen plötzlich auf etwas stoßen, das sie noch nie gespürt haben. Eine Erinnerung. Ein Gefühl. Eine Erkenntnis.
Das Bild wird zum Spiegel. Und im gemeinsamen Werkgespräch können wir behutsam erkunden, was sich zeigt. Nicht deuten. Nicht bewerten. Sondern wahrnehmen und annehmen.
Was „Heilen" bedeutet
Heilen heißt nicht, die Vergangenheit ungeschehen zu machen. Es heißt, die verletzten Teile von dir nicht mehr auszuschließen. Ihnen Raum zu geben. Sie zu sehen und zu sagen: Du gehörst dazu.
Wenn das gelingt, passiert etwas Erstaunliches: Die Energie, die du jahrelang aufgewendet hast, um diese Teile zu unterdrücken, wird frei. Du wirst lebendiger. Authentischer. Ganzer.
Das innere Kind will keine perfekte Kindheit nachholen. Es will nur eines: gesehen werden.
Und genau das ist es, was in der Maltherapie geschehen darf.
Zur Einordnung: Diese Begleitung findet im Rahmen der psychologischen Beratung (Lebens- und Sozialberatung) statt. Sie ist keine Krankenbehandlung und ersetzt keine Psychotherapie und keine ärztliche Behandlung. Wenn tiefere seelische Verletzungen oder eine Belastung im Vordergrund stehen, ist Psychotherapie der richtige Weg, und ich sage dir das im Erstgespräch offen.
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