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Mal- und Gestaltungstherapie, wenn Bilder zu Wegweisern werden
· Ursula Strobl
In der Mal- und Gestaltungstherapie steht nicht das perfekte Kunstwerk im Mittelpunkt. Sondern du.
Das Bild ist dabei kein Dekorationsstück. Es ist Ausdruck. Spiegel. Botschafter. Es zeigt, was vielleicht noch keine Worte hat.
Dieses Therapieverfahren wurzelt in der analytischen Psychologie von Carl Gustav Jung. Er war überzeugt: Der Mensch ist niemals „fertig". Wir sind Wesen in Entwicklung. Ein Leben lang.
Diesen inneren Reifungs- und Entfaltungsweg nannte er den Individuationsprozess, die Bewegung hin zu dem, was wir im Kern wirklich sind.
Und das Spannende daran? Unsere Seele spricht mit uns. In Träumen. In inneren Bildern. In Symbolen.
Die Sprache der Seele verstehen
Das Unbewusste kommuniziert nicht in logischen Sätzen. Es spricht in Bildern.
Allein die bewusste Beschäftigung mit dieser Symbolsprache kann bereits Veränderung auslösen. Gerade in Übergangsphasen. Gerade in Krisen. Gerade dann, wenn das Alte nicht mehr trägt und das Neue noch im Werden ist.
Wenn wir beginnen, unsere Symbole zu verstehen, nicht zu analysieren, sondern behutsam zu erforschen, entsteht etwas Kostbares: Ein innerer Kompass. Eine Richtung. Eine neue Form von Selbstführung.
Vier heilsame Bewegungen im kreativen Prozess
Die Psychotherapeutin Ingrid Riedel beschreibt vier wirksame Prozesse in der Mal- und Gestaltungstherapie. Und sie greifen wie Zahnräder ineinander:
1. Der Gestaltungsvorgang: Farben. Pinsel. Ton. Kreide. Struktur. Allein das Tun wirkt. Der Körper wird beteiligt. Die Hände dürfen sprechen.
2. Der Imaginations- und Symbolisierungsprozess: Fantasien tauchen auf. Formen entstehen. Bilder zeigen sich. Oft wissen wir nicht bewusst, warum genau dieses Motiv entsteht, aber es ist da.
3. Das Werkgespräch: Hier wird nicht gedeutet. Hier wird umkreist. Geforscht. Gefühlt. Verknüpft. Welche Bezüge gibt es zu deiner Biografie? Zu deiner aktuellen Lebenssituation? Mit jedem Gespräch öffnet sich ein weiteres Fenster.
4. Der Begegnungs- und Beziehungsprozess: Zwischen Mensch und Mensch. Empathie. Resonanz. Begleitung. Ein sicherer Raum, in dem sich etwas zeigen darf, das vielleicht lange keinen Platz hatte.
Dialog zwischen Ich und Unbewusstem
In der jungianischen Sichtweise geht es immer um die Beziehung zwischen dem bewussten Ich und dem Unbewussten.
Wenn hier ein Dialog entsteht, nicht ein Kampf, sondern ein echtes Zuhören, dann beginnt Entfaltung.
Krisen können bewältigt werden. Symptome können verstanden werden. Blockaden können sich lösen.
Es ist ein schöpferischer Prozess. Genährt aus derselben Quelle wie jede Kunst. Und doch ist das eigentliche Kunstwerk hier nicht das Bild. Sondern der Mensch selbst.
Der Mensch als lebendiges Kunstwerk
Wie ein Baum darf er wachsen. Verwurzelt in seiner Geschichte, und zugleich offen zum Himmel.
Unsere Wurzeln reichen tiefer, als wir oft ahnen. Nicht nur in unsere eigene Biografie, sondern auch in das, was Jung das kollektive Unbewusste nannte.
In Märchen. In Mythen. In Religionen. Überall tauchen ähnliche Urbilder auf, sogenannte Archetypen. Sie begleiten die Menschheit seit Anbeginn. Und sie können in Zeiten von Krise und Not enorme Kraft entfalten.
Licht und Schatten integrieren
Doch nicht nur das Große, Mythische will gesehen werden. Auch unsere eigene Geschichte ruft.
Da sind oft schöpferische Kindheitsanteile, die irgendwann „zu viel", „zu laut" oder „zu wild" waren. Da sind verdrängte Erfahrungen. Angstbesetzte Erinnerungen.
Jung nannte diese verborgenen Anteile den Schatten. In der Mal- und Gestaltungstherapie dürfen auch diese Teile sichtbar werden, behutsam, kreativ, in deinem Tempo.
Wenn es gelingt, sie nicht länger auszuschließen, sondern zu integrieren, entsteht neue Lebenskraft. Und oft auch eine ungeahnte Lebensfreude.
Aktive Imagination, Bilder als Brücke
Jung empfahl den Weg der „aktiven Imagination". Malen und Gestalten sind ein Teil dieses Weges.
Farben wirken. Materialien sprechen. Techniken öffnen neue Erfahrungsräume.
Hier dürfen wir uns auch von der Kunst inspirieren lassen, von dem, was Künstlerinnen und Künstler über Jahrhunderte hinweg entdeckt haben.
All das sind Kommunikationskanäle für das Unbewusste. Jenseits der Worte.
„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte", in diesem Kontext ist das keine Floskel, sondern Erfahrung.
Der Raum als Versuchslabor für dein Leben
Im anschließenden Werkgespräch nähern wir uns gemeinsam der Bildsprache an. Symbole werden nicht festgelegt oder bewertet. Sie werden bewegt.
Und dann kommt der entscheidende Schritt: Wie übersetzt sich das in dein reales Leben? Welche konkreten Schritte möchten gegangen werden?
Der Raum wird zu einem geschützten Experimentierraum. Ein Labor für Möglichkeiten. Ein Ort, an dem Fantasie vorausgehen darf.
Denn wie Carl Gustav Jung einmal sagte: „Nur das, was Sie in Ihrer Fantasie schaffen, können Sie auch im realen Leben umsetzen."
Begleitung auf Augenhöhe
Kreativtrainerinnen und Mal- und Gestaltungstherapeutinnen stellen diesen Raum zur Verfügung. Sie liefern keine fertigen Antworten. Sie deuten nicht über deinen Kopf hinweg. Sie begleiten. Mit fachlichem Handwerkszeug. Mit Erfahrung. Mit Achtsamkeit. Und mit dem Vertrauen darauf, dass in dir bereits alles angelegt ist, was wachsen möchte.
Mehr zu meinem Angebot: Maltherapie und Angebote.
Weiterführende Informationen zum Theorie-Konzept der Mal- und Gestaltungstherapie (MGT) findest du hier: https://mgt-theorie.com
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